BagIA i.G.

Muslimische Initiativen in Heidelberg, Berlin und NRW erarbeiten in bundesweitem Prozess Potentiale und Perspektiven für eine Bundesarbeitsgemeinschaft Islamischer Akademien i.G. (BagIA)

Bundesweit hat die muslimische Zivilgesellschaft in den letzten Jahren Dynamik und Gestaltungskraft entfaltet. Unzählige engagierte Einzelpersonen und thematisch fokussierte Initiativen wirken dabei vornehmlich zu Themen und Anliegen der muslimischen Communities. Ihre Arbeit bleibt dabei vielfach im informellen Bereich bzw. in nicht-professionellen Strukturen.

Wir halten es für wichtig, als Muslime sowohl innermuslimisch als auch gesamtgesellschaftlich Impulse zu setzen und mitzugestalten. Aus dieser Motivation heraus haben sich u.a. in Heidelberg Engagierte zusammengefunden, um unabhängig von den großen muslimischen Verbänden Islamische Akademien / Thinktanks auf den Weg zu bringen. Dies aus der Überzeugung heraus, dass es seitens der muslimischen Zivilgesellschaft eines neuen Formats bedarf, das (islamisch-)theologische, wissenschaftliche sowie gesellschaftspolitische Perspektiven zusammenführt, um aus einer muslimischen Intellektualität heraus Impulse für den öffentlichen Diskurs zu setzen. Bisher jedoch existieren in Deutschland seitens muslimischer Strukturen keine multiperspektivischen Angebote, die sich im Sinne einer Dienstleistung an die Gesamtgesellschaft richten. Die im Aufbau befindliche Islamische Theologie bzw. das Bestreben, islamische Glaubens- und Kerninhalte über universitäre Strukturen zu vermitteln, werden nicht ausreichen, um solche gesellschaftlichen Impulse zu setzen. Vielmehr scheint es geboten, orientiert an den christlichen Akademien, deren originäres Anliegen ein Mitwirken am Aufbau der bundesrepublikanischen Gesellschaft war, überregional wirkende islamische Akademien zu gründen und zu betreiben, welche ihrerseits bedarfsorientiert Dienst an der Gesamtgesellschaft – und nicht nur an der eigenen Glaubensgemeinschaft – leisten.

Perspektivisch ist es dabei das Anliegen, das muslimische Zivilgesellschaft sich im Sinne des gesamtgesellschaftlichen Miteinanders in den Diskurs einmischt bzw. bereits beim Agenda-Setting mitmischt und entsprechende Impulse zu aktuellen Themen und Bedarfen gibt. Es soll dabei pointiert nicht oder nur nachrangig um Themen gehen, die einen partikularen Blick auf den Islam und/oder Muslime in Deutschland werfen. Es gilt sich vielmehr selbstbewusst zu erstreiten, dass es gleichermaßen muslimische Verantwortung im Sinne des Gemeinwohls ist, über Ursachen und Folgen des Klimawandels wie über Radikalisierungsprävention ins Gespräch zu kommen.

 

Initiativen zur Begründung islamischer Akademien / Thinktanks

Aktuell existieren bundesweit drei Initiativen zur Begründung von islamischen Akademien, darunter eine Initiative in Berlin, eine in NRW und die Initiative Heidelberger Muslime. Als Graswurzelbewegungen ist den Vorhaben gemeinsam, dass sie in den muslimischen Communities verwurzelt sind. Entsprechend ist den Initiativen einerseits daran gelegen, dass außerhalb der Moscheegemeinden niedrigschwellige (Frei-)Räume geschaffen werden, um innermuslimisch zu gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Fragen in kritische Selbstreflexion zu treten. Über Angebote Islamischer Akademien kann es so sicherlich gelingen, Zielgruppen von Bildungsangeboten zu erschließen, die sonst nicht oder nur sehr schwer erreicht werden. Andererseits ist es vornehmliches Anliegen, in die Gesamtgesellschaft hinein in demokratische Verantwortung zu treten.

 

Welche Potentiale hat eine Bundesarbeitsgemeinschaft Islamischer Akademien?

In einem bundesweiten Prozess sollen diese überregionalen Akademievorhaben nun vernetzt, hinsichtlich ihrer praktischen Umsetzbarkeit konkretisiert und mit Blick auf potentielle Synergieeffekte in Austausch gebracht werden. Ziel ist es, im Laufe eines Jahres die Realisierbarkeit und Potentiale einer Bundesarbeitsgemeinschaft Islamischer Akademien (BagIA) zu eruieren. Aufgabe der BagIA wäre es, die Netzwerkarbeit der Initiativen mittelfristig zu moderieren und die Akademievorhaben in ihrem Entstehungs- bzw. Professionalisierungsprozess zu unterstützen. Die Federführung für das Projekt übernimmt Teilseiend in Kooperation mit den anderen Initiativen in Berlin und NRW. Finanziert wird das Projekt durch die Bundeszentrale für politische Bildung.